Trainingscamp lügt nicht. Es schmeichelt niemandem, es macht keine Highlight-Reels für Twitter, und es merkt sich jeden verlorenen Rep. Zwei Wochen im Jefferson Health Training Complex reichen, um zu sehen, wo dieses Team im August 2026 wirklich steht. Und der Befund ist klarer, als er zu dieser Jahreszeit sonst ist: Die Defense frisst die Offense zum Frühstück, und ein paar grüne Jungs sind weiter, als irgendwer erwartet hat.
Kein "Gewinner und Verlierer". Dafür ist es zu früh, und die Wörter passen nicht. Aber es gibt drei Baustellen, die dürfen gerne genau so weitermachen. Und es gibt drei, die müssen nachlegen, bevor es in Woche 1 ernst wird.
Dürfen gerne so weitermachen
1. DeVonta Smith spielt wie ein echter WR1.
Seit A.J. Brown im Sommer nach New England getradet ist, gehört dieser Receiver-Raum einem Mann [1]. Und Smith trägt die Rolle, als hätte er nie eine andere gehabt. Drei 1.000-Yard-Saisons, 31 Touchdowns seit 2021, der am längsten gediente Eagle im Raum [2]. Diese Offense unter dem neuen Coordinator Sean Mannion ist auf sein Profil zugeschnitten, und er wird Jalen Hurts' erste Option häufiger als je zuvor.
Klar, ein kleiner Hamstring hat ihn ein paar Reps gekostet, nichts Ernstes nach Team-Angaben [3]. Aber wenn er draußen ist, ist keine Frage offen, wer hier der Alpha ist. Bei einer Offense, um die herum drei Baustellen stehen, ist das der beruhigendste Satz des ganzen Camps: der Nummer-1-Receiver ist gesetzt.
2. Die D-Line macht die O-Line zur Statistenrolle.
An Tag 5 haben Jordan Davis, Jalen Carter und Jalyx Hunt die Offensive Line schlicht besessen [4]. Und das war kein Ausreißer. Schon an Tag 3 war die Front dominant, und Vic Fangios Unit gibt der Offense seit zwei Jahren im Camp regelmäßig die Grenzen vor [5].
Carter, frisch als bestbezahlter Defensive Tackle der Liga verlängert, ist ein Problem, das keine Guard-Center-Kombination allein löst. Hunt, im dritten Jahr, hat im Backfield gewohnt: 6,5 Sacks und 57 Quarterback-Pressures in der 2025, bei 62 Prozent der Snaps [6]. Diese drei bauen Druck auf, ohne dass Fangio blitzen muss. Und auf der anderen Kante wartet Nolan Smith: 10,5 Sacks über die letzten 16 Spiele der Saison 2024, ehe ihn 2025 eine Triceps-Verletzung auf 12 Spiele und 3 Sacks stutzte [7]. Ist er wieder der von 2024, hat diese Front kein schwaches Glied. Merk dir das.
3. Joshua Weru ist die Überraschung, mit der keiner gerechnet hat.
Ein Rugby-Spieler aus Nairobi, über das International Player Pathway Program gekommen, und mitten im Camp spielt er sich in den Vordergrund [8]. Weru hat explosive Speed an der Kante, arbeitet schon an Counter-Moves und hat einen Speed-to-Power-Move gezeigt, der roh, aber echt ist [9]. 6-4, 244 Pfund, 4,45 auf 40 Yards, 41,5 Zoll Vertical. Das sind Zahlen, die man sich nicht ausdenkt.
Wo man das in Philly schon mal gesehen hat? Jordan Mailata. Auch ein Rugby-Mann, auch Pathway, heute Left Tackle mit Ring aus LIX. Weru ist noch lange nicht da, und ob er den 53er-Kader macht, weiß im August niemand seriös. Was sich sagen lässt: Er ist weiter, als ein Projekt in seinem ersten Football-Sommer sein müsste. Den Namen sollte man sich notieren.
Müssen sich steigern
1. Die Offensive Line wirkt nicht wie eine gefestigte Wand.
Hier liegt meine größte Sorge. fehlte vier Tage am Stück, aus einem entschuldigten, nicht verletzungsbedingten Grund, und kam erst am Freitag limitiert zurück [10]. In seiner Abwesenheit lief die erste Reihe mit Ersatzteilen, und die Front hat sie überrannt [11].
Klar, die Front-Office-Logik ist ruhig: Diese Line hat einen Ring gewonnen, Johnsons Abwesenheit war planbar, im September steht die Wand. Und die Fan-Logik ist trotzdem berechtigt: Wer die Trench-Dominanz der Banner-Jahre gesehen hat, will im Camp keine Line sehen, die täglich neu zusammengesteckt wird und verliert. Mein Eindruck: Panik ist falsch, aber die selbstverständliche Dominanz von früher ist im Moment nicht da. Das muss sich mit Johnson und voller Besetzung schnell einstellen.
2. Makai Lemon verliert wertvollen Boden.
Der erste Receiver, den die Eagles in Runde eins holten, an Position 20 aus USC, sollte in diesem Sommer Chemie mit Hurts aufbauen. Stattdessen kämpft er seit dem Frühjahr mit demselben Hamstring. In den OTAs zugezogen, im Camp nach drei Practices erneut gereizt, zwei Tage am Stück raus [12].
Das Problem ist nicht das Talent. Das Problem ist die Uhr. Jeder verpasste Rep ist ein Rep, den Dontayvion Wicks und der überraschende Darius Cooper nehmen, und in einem neuen System zählt geteilte Zeit mit dem Quarterback doppelt [13]. Er fällt hinter Boden zurück, den er sich später zurückverdienen muss [14].
Sheil Kapadia hat die Erwartung diese Woche im Ringer-Podcast geerdet: First-Round-Rookie-Receiver kommen in Jahr eins im Schnitt auf rund 665 Receiving Yards [15]. Schon dieser Schnitt ist kein Selbstläufer. Jeder verpasste Practice drückt Lemon eher darunter. Ein gesunder Lemon kann diese Rotation aufmischen. Ein Lemon in der Trainerraum-Wanne kann das nicht.
3. Eli Stowers ist als Second-Round-Pick zu leise.
Ein so ruhiges Camp von einem Zweitrundenpick ist nicht das, was man sehen will. Stowers, an Position 54 gezogen, läuft überwiegend mit der dritten Offense und hat sich von den anderen Tight Ends nicht abgesetzt [16]. Er steht hinter Dallas Goedert und Blocking-Spezialist Johnny Mundt an Nummer drei [17].
Er sagt selbst, die größte Umstellung sei mental, die Schemes auf diesem Level komplexer als im College [18]. Das ist ehrlich, und es ist erklärbar: ein umgeschulter Quarterback, der bei Vanderbilt kaum blocken musste und die Position erst seit drei Jahren spielt [19]. Das hier ist ausdrücklich keine -Ansage. Seine Stärke als schneller, athletischer Tight End kann er im Camp nur bloß noch nicht ausspielen.
Was sich seriös nicht sagen lässt: wie viel er 2026 wirklich sieht. Sheil Kapadia hat diese Woche den nüchternen Anker geliefert: Rookie Tight Ends landen im Schnitt bei rund 215 Receiving Yards [20]. Und Stowers startet als dritter Tight End hinter Goedert und Mundt. Mein Tipp, offen als Vermutung markiert: Wer auf 300 oder 400 Receiving Yards gehofft hat, sollte eher unter Kapadias Schnitt planen, Richtung 100. Nicht, weil das Talent fehlt. Sondern weil der Weg über Goedert, Mundt und ein komplexes System länger ist, als ein Draft-Pick-Gefühl es gern hätte.
Das Fazit vor Woche 1
Die Camp-Story schreibt sich fast von allein: Fangios Defense diktiert, die Offense sucht sich noch. Genau das haben sie an der in den letzten zwei Sommern auch gesehen, und im Februar stand trotzdem ein Ring. Deshalb keine Panik. Aber drei Antworten fehlen, und alle drei stehen auf der Seite des Balls, die eigentlich glänzen sollte.
Die spannendste Frage der nächsten zwei Wochen: Wird die Offense zünden, sobald Lane Johnson und ein gesunder Receiver-Raum komplett sind? Mein Tipp: ja, aber langsamer, als die Fan Base es sich in einem Sommer nach LIX wünscht. Und wenn Joshua Weru weiter so aufdreht, reden wir im September über einen Namen, den heute kaum einer buchstabieren kann.
Wer legt zuerst nach, die O-Line oder Stowers? Ab in die Kommentare. .
Häufige Fragen zum Eagles-Trainingscamp 2026
Wer sind die Gewinner des Eagles-Trainingscamps 2026 bisher?
Am stärksten präsentieren sich die Defense und einzelne Aufsteiger. DeVonta Smith füllt nach dem A.J.-Brown-Trade die WR1-Rolle überzeugend aus. Die Defensive Line um Jordan Davis, Jalen Carter und Jalyx Hunt dominiert die Offensive Line Tag für Tag. Und der aus Kenia stammende Edge Rusher Joshua Weru überrascht als Projekt aus dem International Player Pathway Program mit explosiver Speed.
Warum hat die Eagles-Offense im Camp Probleme?
Mehrere Faktoren treffen zusammen. Lane Johnson fehlte vier Tage aus persönlichen Gründen, sodass die Offensive Line ständig umgestellt wurde und gegen die starke Defense verlor. Dazu kommen Hamstring-Ausfälle bei DeVonta Smith und Rookie Makai Lemon sowie ein neues System unter Coordinator Sean Mannion, das Zeit braucht. Die Ausfälle bremsen vor allem den Aufbau der Chemie mit Jalen Hurts.
Wie schlägt sich Second-Round-Pick Eli Stowers?
Bisher unauffällig. Stowers, an Position 54 gezogen, läuft überwiegend mit der dritten Offense und steht hinter Dallas Goedert und Johnny Mundt. Als umgeschulter Quarterback ringt er vor allem mit der mentalen Komplexität der NFL-Schemes und mit der Blocking-Technik. Ein Bust ist er deshalb nicht, aber eine große Rolle in seiner Rookie-Saison zeichnet sich aktuell nicht ab.
Wer ist Joshua Weru?
Weru ist ein Edge Rusher aus Nairobi, Kenia, den die Eagles über das International Player Pathway Program als Undrafted Free Agent verpflichtet haben. Der frühere Rugby-Spieler misst 6-4, wiegt 244 Pfund und lief 4,45 auf 40 Yards bei einem Vertical von 41,5 Zoll. Im Camp fällt er mit explosiver Speed und ersten Counter-Moves auf. Das Profil erinnert an Jordan Mailatas Weg vom Rugby zur NFL.
Ist Makai Lemons Hamstring-Verletzung ernst?
Nach Team-Angaben nicht. Die Eagles sehen bei Lemon wie bei DeVonta Smith kein langfristiges Problem. Trotzdem zieht sich das Thema: Lemon verletzte den Hamstring schon in den OTAs, reizte ihn im Camp nach wenigen Practices erneut und verpasste mehrere Einheiten. Der Zeitverlust beim Chemie-Aufbau mit Jalen Hurts ist für einen Erstrundenpick das eigentliche Ärgernis.



