Vier Pressures, ein , Platz 72 von 72 Guards nach Week 1 [1]. Das war Landon Dickersons Saisonauftakt, und es war der letzte Auftritt für mindestens einen Monat. Die Eagles setzen ihren dreimaligen Pro-Bowl-Guard auf die Injured Reserve, mit der Option auf Rückkehr, frühestens am 18. Oktober gegen Carolina [2]. Am Left Guard übernimmt ein 24-Jähriger aus Massachusetts, der in der noch keinen einzigen an dieser Position gespielt hat. Ich hatte im Rückblick zu Week 1 angekündigt, dass ich auf Dickerson zurückkomme. Schneller als gedacht.
Die Verletzung: Knochenprellung im rechten Knie, seit dem Training Camp
Es ist kein Kreuzband, kein Meniskus, keine OP. Dickerson hat einen Bone Bruise im rechten Knie. Jemand ist ihm im Camp aufs Bein gefallen, "rolled up on", wie es im Eagles-Sprachgebrauch heißt, und er hat es wochenlang ausgesessen [3]. Seine eigene Beschreibung: "I got rolled up on in practice a few weeks ago. I thought it would get better with time, but it didn't." [4]
Die Szene vom Montag hat jeder gesehen, der die Medienrunde verfolgt hat: Dickerson tritt vor die Mikrofone und redet nicht drumherum. Der Elefant im Raum, sagt er, sei sein Spiel vom Sonntag gewesen. "I was a complete liability yesterday." Und dann der Satz, der mehr über die Saison 2025 sagt als jede Statistik: "I don't want to limp through 18 weeks again because that was just ugly." [5]
Ein Bone Bruise klingt harmlos. Ist er nicht, wenn man über 330 Pfund auf dem Knie abstützt und gegen die Commanders-Front ankern soll. Die Zahl, die das Ausmaß zeigt, kommt aus dem Play-by-Play: vier zugelassene Pressures bei 34 Pass-Block-Snaps gegen Washington, die schlechteste Quote in der ganzen Line [6]. Zum Vergleich: In der kompletten Saison 2025, als er nach eigener Aussage bei 70 bis 75 Prozent spielte, lag seine -Rate bei 8,2 Prozent, damals schon Karrierehoch [7]. Week 1 war schlimmer.
Der Outlook: Mindestens vier Spiele Pause, Rückkehr frühestens am 18. Oktober
Die IR mit Rückkehr-Option bedeutet vier verpasste Spiele als Minimum: Titans, Bears, Rams und das London-Spiel gegen Jacksonville. Erster möglicher Einsatz ist Week 6 gegen die Panthers [8]. Ob er dann wirklich zurückkommt, kann von außen niemand seriös sagen. Was sich sagen lässt: Die Eagles und Dickerson haben diesmal denselben Plan, nämlich den Rest der Saison zu retten statt Week 2.
Das ist der Unterschied zu 2025. Damals Meniskus-OP im August, Rückkehr zum Opener gegen Dallas, dann Rücken im September, Knöchel im Oktober, und ein Guard, der sich nach eigenen Worten "nicht mehr viel zu managen" hatte, nach 13 Operationen seit dem College [9]. Schon im Camp hatte er bei Bo Wulf eingeräumt, dass er die überhastete Rückkehr nicht noch einmal machen würde. Jetzt hat er es bewiesen. Für einen Spieler, der seinen Ruf mit Zähne-Zusammenbeißen aufgebaut hat, ist das die reifere Entscheidung.
Dazu die Vertragslage. Dickerson hat im März seinen Vier-Jahres-Deal über 84 Millionen Dollar auf rund 36 Millionen über zwei Jahre eingedampft, der Vertrag läuft jetzt bis 2027 statt 2028 [10]. Sein 2026 liegt bei 10,3 Millionen [11]. Das Geld ist ausgegeben, ob er spielt oder nicht. Retirement nach dieser Saison bleibt Thema, das hat EJ Smith bei PHLY klar so eingeordnet [12]. Mein Tipp: Wir sehen Dickerson im November wieder, aber nicht mehr als den Mann, der 2022 bis 2024 dreimal in Folge in den gewählt wurde.
Die Alternativen im Kader: Kendall, Lampkin oder der Jurgens-Shuffle
Drei Optionen, eine davon realistisch.
Option eins ist Drew Kendall. Fünftrundenpick 2025, im Camp der erste Mann von der Bank an allen drei Interior-Positionen, laut Sirianni der wahrscheinliche Starter gegen Tennessee [13]. Mehr zu ihm unten.
Option zwei ist Willie Lampkin, der "bowling ball of knives" dieses Sommers, 5'11 und das Herz der Bird Gang. Kempski traut ihm viel zu, aber nicht als Vollzeit-Starter gegen Leute wie Dexter Lawrence, und sieht ihn eher als Center [14]. Micah Morris steht auch im Kader, ist aber nach Kempskis Einschätzung noch ein Projekt.
Option drei ist der Shuffle: Cam Jurgens rückt an den Guard, Kendall snappt. Das hat die Eagles-Historie schon einmal hergegeben, 2023 spielte Jurgens neben Jason Kelce als Right Guard, bevor er Center wurde. EJ Smith hält diese Variante für denkbar, weil Kendalls Pre-Snap-Reads stark genug sind [15]. Ich halte davon wenig. Jurgens war 2025 selbst angeschlagen, hat sich im Camp wieder wie die 2024er-Version gezeigt, und einen Pro-Bowl-Center aus seiner Position zu reißen, um einen Fünftrundenpick an seine College-Position zu setzen, löst kein Problem, sondern schafft zwei.
Howie Roseman hat schon vor Wochen gesagt, dass ihn die Entwicklung seiner Interior-Backups mehr überrascht hat als alles andere im Camp [16]. Jetzt zeigt sich, ob das Camp-Werbung war oder Fakt.
Gibt es einen Trade? Mein Blick auf den Markt
Kurze Antwort: Ich sehe keinen, und ich will auch keinen.
Was ich nicht weiß: ob Roseman telefoniert. Kein Philly-Beat hat bis heute ein Trade-Interesse der Eagles an einem Guard berichtet. Und wer die Bigsby- und Bennett-Deals aus dem letzten Herbst verfolgt hat, weiß, wie oft Mid-Season-Zukäufe bei dieser Franchise verpuffen [17]. Was ich weiß: Die Eagles haben laut Over The Cap 12,4 Millionen Dollar , und Dickersons 10,3 Millionen bleiben trotz IR auf dem Buch [18]. Ein Starter-Guard mit echtem Gehalt passt da nur mit Verrenkungen rein.
Namen kursierten im Sommer trotzdem. Jackson Powers-Johnson von den Raiders steht seit Monaten auf Trade-Listen, auch bei den Raiders-Blogs selbst [19]. Ein Fan-Podcast aus Philly hatte ihn im August für Johnny Wilson plus Pick-Tausch vorgeschlagen [20]. Ich nenne das, weil es kursiert, nicht weil es realistisch ist. Ob Las Vegas ihn heute überhaupt abgeben würde, kann ich nicht beurteilen.
Die Logik gegen einen Trade ist simpel: Dickerson ist in vier bis fünf Wochen zurück, die liegt Anfang November, und ein Guard, den du im September für Draft-Kapital holst, sitzt im November auf der Bank. Die Front-Office-Logik sagt: Kendall und Lampkin sind genau für diesen Fall aufgebaut worden. Die Fan-Logik sagt: Der Mann, der 2024 als bestbezahlter Guard der Liga unterschrieb, war gerade der schlechteste Guard der Liga, und "schon wieder" ist das Wort, das an der am häufigsten fällt. Beides stimmt. Mein Urteil: Wenn Kendall gegen Jeffery Simmons und die Titans-Front die Pressure-Rate unter zehn Prozent hält, ist die Trade-Frage erledigt. Wenn nicht, reden wir Ende Oktober noch einmal.
Drew Kendall im Profil: Wer ist der Mann am Left Guard?
Man kann sich das Bild vorstellen: Mittwoch, Jefferson Health Training Complex, das erste Team stellt sich zum Huddle. Zwischen Jordan Mailata und Cam Jurgens steht nicht mehr der 330-Pfund-Block aus Alabama. Da steht ein Center aus Boston College, vor anderthalb Jahren an Pick 168 aufgerufen. Ich war nicht dabei. Aber so sieht der Left Guard der Eagles für den Rest des Monats aus.
Hintergrund: Football-Erbe aus Massachusetts
Drew Kendall, geboren im November 2001, aufgewachsen in Norwell, Massachusetts, hat Football im Blut. Sein Vater Pete Kendall war Erstrundenpick der Seahawks 1996 und spielte 13 Jahre Guard in der NFL [21]. Der Sohn trug am Boston College die 66, die Nummer des Vaters, startete 37 Spiele als Center, war 2024 Team Captain und First-Team All-ACC [22]. Die Eagles holten ihn in Runde 5, Pick 168, als Backup für Jurgens. Noch Jeff Stoutland hat ihn im Rookie-Jahr am Guard mit ausgebildet, bevor er Anfang 2026 ging [23].
Das Rookie-Jahr war Lehrjahr: 89 Offense-Snaps in vier Spielen, alle in klaren Siegen oder im Week-18-Spiel mit geschonten Startern, fast alles als Center [24]. 89 Snaps. Das ist die gesamte Regular-Season-Erfahrung, die am Sonntag in Nashville zwischen Mailata und Jurgens steht.
Der Sommer 2026 hat das Bild verändert. Kendall hat mit dem Kraft- und Ernährungsstab seinen Körper umgebaut und spielt jetzt bei 300 bis 305 Pfund. Der neue O-Line-Coach Chris Kuper, selbst jahrelang Guard in der NFL, hat ihn systematisch am Guard ausgebildet. Jordan Davis, der im Training auf der anderen Seite steht, nannte seine Entwicklung "tremendous" [25]. Kempski und Zangaro hatten ihn unabhängig voneinander auf ihren Stock-up-Listen des Camps, als einzigen Spieler auf beiden [26]. Und Kempski ging Anfang September noch einen Schritt weiter: Kendall sei am Left Guard aktuell womöglich schon der bessere Spieler als Dickerson [27]. Zehn Tage später ist genau das der Test.
Stärken: Kopf, Füße, Hände
Kendall ist ein Center im besten Sinn. Er liest die Front schnell, findet im Run Game seine Landmarks, bevor der Defender da ist, und hat gute Füße auf dem Weg zum Second Level [28]. In der Pass Protection ließ er 2025 in 89 Snaps genau eine Pressure zu, null Sacks. In der Preseason 2026 am Guard: 13 Pass-Block-Snaps, null Pressures, dazu starkes Run Blocking auf beiden Seiten [29]. Kleine Stichprobe, klar. Aber die Richtung stimmt.
Dazu die Athletik, die man einem Day-3-Center nicht zutraut: Relative Athletic Score 9,10, 20 Wiederholungen auf der Bank, 5,05 über 40 Yards bei 308 Pfund [30]. Und das Intangible: Captain am College, Sohn eines 13-Jahre-Veterans, ein Spieler, der laut Zangaro im neuen Scheme von Sean Mannion nicht fehl am Platz wirkt [31]. Charakter-Behauptungen sind billig, deshalb nur das, was belegt ist: Kendall hat den Sommer genutzt, um seinen Körper umzubauen, und seine Mitspieler reden über ihn. Das reicht mir als Indiz.
Schwächen: Power, Whistle, Erfahrung
Die ehrliche Liste. Erstens fehlt Kendall die Bull-Rush-Antwort. Kempski sah 2025 keinen Spieler, der Defensive Tackles im Run Game überwältigt, und die Sorge vor dem Bull Rush stand schon in den College-Reports [32]. Genau das ist Dickersons Kernstärke, "extreme power", wie Sirianni es am Montag formulierte [33]. Im Tush Push wird das zu sehen sein.
Zweitens das Durchspielen bis zum Pfiff. Kempski notierte, dass Kendall Blocks gelegentlich zu früh löst. Bei einem Center, der die Line dirigiert, fällt das weniger auf. Bei einem Guard, der Saquon Barkley eine Cutback-Lane halten soll, fällt es sofort auf.
Drittens die Erfahrung, und die ist messbar: null Regular-Season-Snaps am Guard. Am College hat er ausschließlich Center gespielt. Dazu kommen zehn Strafen in den letzten beiden Saisons am Boston College, ein Hinweis auf Technik, die unter Druck wackelt [34]. Gegen Tennessee wartet mit Jeffery Simmons einer der besten Interior-Verteidiger der Liga, flankiert von John Franklin-Myers und Solomon Thomas [35]. Trost: Diese Front hat in Week 1 gegen die Jets null Sacks produziert und 150 Rushing Yards zugelassen [36]. Simmons ist trotzdem Simmons.
Die historische Parallele: 2021
Kann ein junger Interior-Lineman in dieser Organisation mitten in der Saison in eine Startrolle rutschen und sie behalten? Man muss nicht weit zurück. 2021 fielen Isaac Seumalo und Brandon Brooks früh aus. Ein Zweitrundenrookie aus Alabama mit langer Verletzungsakte rückte nach, und der Left Guard hieß von da an Landon Dickerson. Die Ironie: Der Mann, den Kendall jetzt ersetzt, ist selbst so zum Starter geworden. Der Unterschied: Dickerson war Pick 37 und ein Alabama-Center mit Elite-Power. Kendall ist Pick 168 und ein Boston-College-Center mit Elite-Kopf. Stoutland University hat beide Typen zu Startern gemacht. Ob Kuper das auch kann, ist die eigentliche Frage dieser Wochen.
Mein Take: Vier Spiele, eine Antwort
Sonntag, 19 Uhr deutscher Zeit (13 Uhr ET), Nissan Stadium. Der erste Snap wird ein Run sein, und Kendall wird gegen Simmons ankern müssen. Danach wissen wir mehr als nach jeder Camp-Beobachtung. Ich tippe auf ein solides, unspektakuläres Spiel, unter zehn Prozent Pressure-Rate, ein bis zwei Strafen, und einen Mailata, der links viel mitbügelt.
Die größere Wette: Wenn Kendall diese vier Spiele auf Starter-Niveau übersteht, hat Howie Roseman im Frühjahr 2027 keine Left-Guard-Frage mehr, egal ob Dickerson zurücktritt oder nicht. Dann war der Fünftrundenpick 168 der beste Value-Pick des 2025er Drafts. Und wenn nicht, dann reden wir im Oktober über Trades, nicht im September.
Den Namen Drew Kendall sollte man sich merken. Bis Sonntagabend wird ihn jeder kennen.



