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Eagles Community: Jim Johnson: Der Architekt, den Philly nie vergisst – Titelbild für den Artikel auf www.fly-eagles-fly.de

Jim Johnson: Der Architekt, den Philly nie vergisst

Am 28. Juli 2009 starb Jim Johnson mit 68 an Krebs. Ein persönliches Gedenken an den Defensive-Coordinator, der Philadelphias Defense ein Jahrzehnt prägte.

Es gibt Bilder, die bleiben. Meines ist ein Mann in einem motorisierten Wagen am Rand des Trainingsplatzes, dick eingepackt, das Gesicht schmal geworden, und trotzdem redet er. Erklärt. Zeigt mit der Hand, wohin der Safety rotieren soll. Jim Johnson konnte im Winter 2009 kaum noch laufen. Coachen konnte er immer noch. Und ich denke jedes Jahr am 28. Juli an ihn, obwohl ich ihn nie getroffen habe.

Heute vor siebzehn Jahren, am 28. Juli 2009, ist er gestorben. Melanom. Er wurde 68 Jahre alt [1]. Für viele Fans außerhalb von Philadelphia ist er eine Fußnote, ein Coordinator-Name unter vielen. Für die Bird Gang ist er einer der wichtigsten Männer, die je für dieses Team gearbeitet haben. Kein Spieler. Kein Head Coach. Ein Defensive Coordinator. Und trotzdem.

Der lange Weg nach Philadelphia

Jim Johnson kam am 26. Mai 1941 in Maywood zur Welt, einem Vorort von Chicago. Er spielte College Football an der University of Missouri, bei Head Coach Dan Devine, von 1959 bis 1962. Im 1963 wählte ihn niemand. Die Buffalo Bills der AFL nahmen ihn als Tight End unter Vertrag, zwei Jahre, dann war die Spielerkarriere vorbei [2]).

Was dann kam, war kein Aufstieg im Schnelldurchlauf. Es war Kleinarbeit über vier Jahrzehnte. Einen Head-Coaching-Job hatte er in seiner ganzen Laufbahn nur ein einziges Mal, am College bei Missouri Southern Ende der Sechziger. Danach ausschließlich Assistenz. Drake, Indiana, Notre Dame, wo er 1977 als Defensive-Backs-Coach einen National Title mitgewann. Ein Abstecher in die kurzlebige USFL. Ab 1986 dann die NFL, acht Jahre bei den Cardinals, danach die Colts, zuletzt als Defensive Coordinator, dann ein Jahr bei den Seahawks [3]. Er baute Defensive Lines auf, coachte Secondaries und Linebacker, wartete. Und wartete.

Als Andy Reid ihn im Januar 1999 zu seinem allerersten Defensive Coordinator machte, war Johnson 57 Jahre alt. Fast sechs Jahrzehnte Leben, ein halbes davon im Football, und jetzt erst bekam er die Schlüssel zu einer kompletten NFL-Defense. Zwei Männer, die beide lange auf ihre Chance gewartet hatten. Reid als frischer Head Coach, Johnson als später Coordinator. Sie sollten zehn Jahre zusammenbleiben. Einen NFL-Head-Coaching-Job hat Johnson übrigens nie bekommen, obwohl ihn die Cardinals 2004 dafür interviewten. Seine Bühne blieb die Seitenlinie. Er hat sie zur Kunstform gemacht.

Der Mad Scientist

Was Johnson in Philadelphia baute, veränderte, wie in der NFL über Pass Rush gedacht wurde. Sie nannten ihn den Mad Scientist des . Zone Blitzes, Double-A-Gap-Looks, exotische -Pakete, bei denen kein Quarterback vor dem wusste, wer kommt und wer abfällt [4]. Seine Philosophie war simpel und brutal zugleich: Bring den Quarterback aus dem Rhythmus, zwing ihn zu Fehlern, nimm ihm die Zeit.

Er selbst hat den Ursprung mal so erklärt: Es sei um 1994 oder 1995 gewesen, bei den Colts, gegen San Francisco und Steve Young in der West Coast Offense. "Don't let these people dictate to you. You have to put more pressure on the quarterback." Von da an habe er jedes Jahr versucht, einen neuen Weg zu finden, genau das zu tun [5].

Die Zahlen erzählen die Geschichte. Von 2000 bis 2007 lagen Johnsons Einheiten mit 342 Sacks ligaweit auf Rang eins, dazu Platz zwei bei der Third--Verteidigung und Rang vier bei den wenigsten zugelassenen Punkten, 17,6 pro Spiel [6]. Schon 1999, im ersten Jahr, erzwang seine Defense ligaweit die meisten Turnovers. Und die 2004er Einheit, das Jahr des einzigen Super-Bowl-Laufs dieser Ära, ließ nur 16,2 Punkte pro Spiel zu.

Johnson war dabei kein sturer Schematiker. Im NFC Championship Game nach der Saison 2004 gegen Atlanta schob er Jevon Kearse vom linken auf den rechten Defensive End, um Michael Vicks Ausbruchseite zuzumachen. Ein Athlet gegen einen Athleten. Vick lief ins Leere, die Eagles fuhren nach Jacksonville zum .

Fünf Titles, fünf NFC Championship Games, ein Super Bowl. 26 Pro-Bowl-Nominierungen für seine Defender in zehn Jahren. Johnsons Defenses waren das Rückgrat einer der besten Nicht-Meister-Dynastien, die die Liga je gesehen hat. Der Ring blieb ihm verwehrt. Der Respekt nicht.

Reids Vertrauen und die Autonomie

Der Kern der Sache liegt in der Beziehung zu Andy Reid. Reid ist ein Offense-Kopf, sein ganzes Leben. Und statt sich in die andere Seite des Balls einzumischen, tat er etwas Seltenes: Er übergab Johnson die komplette Kontrolle über die Defense und mischte sich nicht ein [7].

Reid hat es später so beschrieben: "I had complete trust that he was going to do the right thing and say the right things." Und über die Zusammenarbeit: "You never felt like you had to do that with him. He wanted to execute your plan." [8].

Das klingt banal, ist es aber nicht. In einer Liga, in der Head Coaches Kontrollfreaks sind und Coordinators oft nur ausführende Organe, gab Reid einem Mann die volle Verantwortung und ließ ihn arbeiten. Diese Autonomie war der Boden, auf dem Johnsons Kreativität wachsen konnte. Man stelle sich vor, wie viele exotische Blitze nie entstanden wären, hätte jemand über jeder Play-Call-Entscheidung mitgeredet.

Die Spieler, die er geformt hat

Ein Coordinator ist nur so gut wie die Männer, die seinen Plan auf das Feld bringen. Und Johnson hatte ein Auge dafür, aus Rohmaterial Pro Bowler zu machen.

Brian Dawkins ist das Paradebeispiel. Johnson baute seine Defense zunehmend um Weapon X herum, gab ihm mehr Blitzes, mehr Freiheiten, ließ ihn überall auf dem Feld auftauchen. Sieben Pro Bowls unter Johnson. Dawkins hat es nach Johnsons Tod so gesagt: "Jim was tailor-made to coach in Philadelphia. He was a tough coach who wasn't afraid to let you know how he was feeling, but at the same time, he cared about us deeply." [9].

Jeremiah Trotter kam 1999 als weitgehend unbekannter Middle Linebacker und ging als vierfacher Pro Bowler. Dazu Troy Vincent, Hugh Douglas, Lito Sheppard, Sheldon Brown, Bobby Taylor, Corey Simon, Trent Cole. Immer wieder dieselbe Geschichte: Johnson nahm einen Spieler, fand heraus, was er am besten konnte, und baute ein Scheme drumherum, das genau das betonte. Tough, aber fürsorglich. In Philly ist das die höchste Auszeichnung, die es gibt.

Die letzte Saison

Und dann ist da die Sache, wegen der ich jedes Jahr an ihn denke.

Über die letzten Wochen der Saison 2008 wurde Johnson immer schwächer. Er brauchte einen Gehstock, um sich im NovaCare Complex zu bewegen, später Krücken. Beim Training saß er in einem motorisierten Wagen, weil er die Strecke vom Feld ins Gebäude nicht mehr zu Fuß schaffte [10]. Ein MRT nach dem Playoff-Spiel gegen die Giants zeigte einen Tumor neben einem Ermüdungsbruch in der Wirbelsäule.

Die 2008 coachte er zum ersten Mal in zehn Jahren nicht von der Seitenlinie, sondern oben aus der Coaches Box [11]. Er wusste zu diesem Zeitpunkt, wie krank er war. Er coachte trotzdem weiter, durch Schmerzen, die man sich kaum vorstellen kann, und führte diese Defense bis ins NFC Championship Game gegen Arizona.

So viel Hingabe ist selten. Das ist der Punkt. Ein Mann, dem der Körper zusammenbricht, der aber nicht loslassen kann, weil dieser Job, diese Spieler, dieses Spiel ihm zu viel bedeuten. Am 18. Mai 2009 übernahm Sean McDermott interimsweise, weil Johnson in medizinische Auszeit ging. Am 24. Juli 2009, vier Tage vor seinem Tod, machten die Eagles McDermott offiziell zum Nachfolger, weil klar war, dass Johnson nicht zurückkommen würde [12]). Vier Tage später war er weg.

Das Vermächtnis

Johnson hinterließ seine Frau Vicki, mit der er seit den frühen Sechzigern zusammen war, die Kinder Scott und Michelle und vier Enkel [13]. Und er hinterließ einen Coaching-Tree, der die halbe NFL prägt.

Steve Spagnuolo lernte bei Johnson und führte zwei Jahre später als Giants-Coordinator eine Defense zum Super-Bowl-Sieg über die ungeschlagenen Patriots, mit genau der Attacking-Philosophie, die er in Philadelphia aufgesogen hatte. John Harbaugh, jahrelang unter Johnson als Special-Teams- und Secondary-Coach, wurde Super-Bowl-Sieger in Baltimore. Ron Rivera, Leslie Frazier, Sean McDermott: alle standen zeitweise auf demselben Eagles-Defensivstab und trugen etwas von Johnson weiter [14].

Wenn heute irgendwo in der NFL ein Double-A-Gap-Look einen Quarterback verwirrt, steckt ein bisschen Jim Johnson darin. Das ist Unsterblichkeit auf Football-Art.

Ich habe ihn nie gekannt. Ich habe nie ein Wort mit ihm gewechselt. Und trotzdem hat mich dieser Mann als Person mehr berührt als die meisten Spieler, deren Trikots ich hatte. Vielleicht liegt es an Dawkins, den ich immer geliebt habe und den Johnson zu dem gemacht hat, was er war. Vielleicht liegt es an dem Bild vom Wagen am Spielfeldrand. An diesem Sturkopf, der nicht aufhören konnte. Was für ein Erbe wäre es, wenn Vic Fangios Defense in dieser Saison mit genau dieser Härte spielt. Johnson hätte es gefallen.

Am 28. Juli denke ich an ihn. Vielleicht magst du dich dieses Jahr mit dazustellen.

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Häufige Fragen zu Jim Johnson

Wer war Jim Johnson bei den Philadelphia Eagles?

Jim Johnson war von 1999 bis 2008 Defensive Coordinator der Philadelphia Eagles unter Head Coach Andy Reid. Er galt als einer der besten Defensiv-Strategen der NFL und war für seine kreativen, aggressiven Blitz-Pakete bekannt. In seiner Zeit erreichten die Eagles fünf NFC East Titles, fünf NFC Championship Games und den Super Bowl XXXIX nach der Saison 2004.

Woran ist Jim Johnson gestorben?

Jim Johnson starb am 28. Juli 2009 im Alter von 68 Jahren an einem Melanom, einer Form von Hautkrebs. Bereits in der Saison 2008 hatte die Krankheit ihn so geschwächt, dass er beim Training einen motorisierten Wagen nutzen musste und die Playoff-Spiele erstmals aus der Coaches Box statt von der Seitenlinie coachte. Ein MRT nach dem Playoff-Spiel gegen die Giants zeigte einen Tumor an der Wirbelsäule.

Warum galt Jim Johnson als Blitz-Innovator?

Johnson wurde der Mad Scientist des Blitz genannt. Er kombinierte Zone Blitzes, Double-A-Gap-Looks und exotische Pressure-Pakete so, dass Quarterbacks vor dem Snap nicht erkennen konnten, wer die Rush ausführt und wer in Coverage abfällt. Seine Philosophie zielte darauf, den Quarterback aus dem Rhythmus zu bringen und zu Fehlern zu zwingen. Viele dieser Konzepte prägen die NFL bis heute.

Welche Spieler hat Jim Johnson groß gemacht?

Der bekannteste ist Brian Dawkins, der unter Johnson sieben Pro Bowls erreichte und um dessen Fähigkeiten Johnson große Teile der Defense baute. Dazu kommen Jeremiah Trotter, Troy Vincent, Hugh Douglas, Lito Sheppard, Sheldon Brown, Bobby Taylor, Corey Simon und Trent Cole. Johnsons Stärke lag darin, das Beste eines Spielers zu erkennen und ein Scheme drumherum zu bauen.

Wie sah der Coaching-Tree von Jim Johnson aus?

Aus Johnsons Eagles-Defensivstab gingen mehrere erfolgreiche NFL-Coaches hervor. Steve Spagnuolo gewann als Giants-Coordinator den Super Bowl XLII. John Harbaugh wurde Head Coach und Super-Bowl-Sieger in Baltimore. Auch Ron Rivera, Leslie Frazier und Sean McDermott arbeiteten unter Johnson und trugen seine Attacking-Philosophie weiter.

Warum vertraute Andy Reid Jim Johnson so sehr?

Andy Reid ist ein Offense-Kopf und übergab Johnson die komplette Kontrolle über die Defense, ohne sich einzumischen. Reid beschrieb es so: "I had complete trust that he was going to do the right thing." Diese Autonomie über ein ganzes Jahrzehnt gab Johnson den Freiraum, seine kreativen Defensiv-Konzepte zu entwickeln.

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